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Ausstellung 1996 in "Dat groode Hus" in Winsen/Aller

 

Fünf Wochen lang im August / September 1996 stellte die damalige Stickgruppe des Klosters Mariensee ihre Arbeiten im Heimatmuseum in Winsen/A aus. Viele kamen und bewunderten die Werke und ließen sich den Klosterstich zeigen.

Frau Hirschler stickt an dem großen Parament für die Kirche in Hodenhagen (s. "Hodenhagen-Projekt") und zeigt und erklärt; Frau Hinckfuß, die an anderen Tagen selbst vorstickte, und Frau Schmidt schauen ihr über die Schulter.

 

Auch wenn manches zum Klosterstich bereits an anderer Stelle gesagt wurde, soll hier der folgende Artikel zum Thema eingefügt werden. Es handelt sich um einen kleinen Aufsatz von Elke Hirschler, der im Januar/Februar-Heft (1997) der Zeitschrift "Heimatland" erschienen ist.

 

Eine Ausstellung von Werken im Klosterstich

Am 15. September dieses Jahres (1996) ging eine Ausstellung zu Ende, die in den fünf Wochen ihrer Dauer etwa 1000 Besucher in „Dat groode Hus" in Winsen/A. gelockt hatte.

Die Ausstellung lief unter dem Titel „Stickarbeiten im Klosterstich" und zeigte Arbeiten von Stickerinnen, die diese Technik in der „Stick-Werkstatt Kloster Mariensee" erlernt hatten. Die Besucher zeigten sich überaus interessiert und z.T. sehr fachkundig.

Die Idee zur Ausstellung

Seit 1982 bietet die heutige Altäbtissin des Klosters Mariensee, Frau Barbara Bosse-Klahn, in jedem Sommer zwei Stickseminare an, in denen man die alte Technik des Klosterstichs erlernen kann.

Dass diese Seminare angeboten werden können, verdanken wir dem Präsidenten der Klosterkammer, Prof. Dr. Freiherr von Campenhausen, der mit solchen und ähnlichen Einrichtungen die Niedersächsischen Klöster behutsam nach außen öffnen möchte.

Die Seminare wurden von Frau Bosse-Klahn außerordentlich lebendig und interessant dargeboten, so dass bei vielen Seminar-Teilnehmerinnen der Wunsch nach weiteren Treffen laut wurde, auf denen sie Ideen und Erfahrungen austauschen und von Frau Bosse-Klahn weitere Hilfen erhalten könnten. So entstanden die „Montags-Treffen" im Kloster Mariensee (an jedem ersten Montag im Monat) und die Fortgeschrittenen-Seminare, die stets unter bestimmten Themen stehen. Solche Themen waren z.B.: „Gesichter und Hände"; „Engel"; „Keltische Motive"; „Schriften"; „Heilige".

Bei diesen Treffen stellten wir erstaunt fest, welche schönen, unterschiedlichen und interessanten Arbeiten entstanden waren. Und alle waren aus derselben Wurzel gediehen, dem Klosterstich-Seminar in Kloster Mariensee.

Wir meinten, dass man diese Arbeiten einmal zeigen sollte, und fanden, dass sich das „Groode Hus" in Winsen/A. besonders gut eignen würde, da es zum einen passende und schöne Räumlichkeiten hat und zum andern in der Nähe einer der historischen Stätten des Klosterstichs liegt.

Wir danken auch an dieser Stelle dem Winser Heimatverein, dass er sich bereit erklärte, diese Ausstellung gemeinsam mit uns durchzuführen.

Der Klosterstich in Niedersachsen

Die Technik dieses Stick-Stiches wird in vielen Ländern der Erde ausgeführt, nur jeweils unter anderer Bezeichnung. Bei uns in Niedersachsen kennen wir die Bezeichnung „Klosterstich", wohl weil sich bedeutende mittelalterliche Stickarbeiten, in dieser Technik ausgeführt, bis heute in den Lüneburger Klöstern Lüne und Wienhausen erhalten haben. Da diese Arbeiten einst auch in den betreffenden Klöstern hergestellt wurden, hat sich hier die Bezeichnung „Klosterstich" entwickelt.

Die mittelalterlichen Bildteppiche haben stets sowohl religiöse als auch weltliche Motive zum Inhalt: Sie zeigen z. B. die Tristansage, symbolische Darstellungen der Evangelisten, Heiligen-Legenden, aber auch Jagdszenen und historische Begebenheiten.

Viele dieser Arbeiten gerieten in der nachfolgenden Zeit in Vergessenheit. Erst zu Beginn des 19. Jh. kam es durch die Romantiker zu einer Wiederbesinnung auf alte handwerkliche Künste.

„In den 1840er Jahren hatte der Hannoveraner Baurat Hektor Wilhelm Heinrich Mithoff (geboren 1811 in Uelzen - Jugendjahre in Celle - verstorben 1886 in Hannover) begonnen, sein »Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte - eine Darstellung mittelalterlicher Kunstwerke in Niedersachsen und nächster Umgebung« herauszugeben. Im zweiten, dem Kloster Wienhausen gewidmeten Band, schreibt Mithoff: ‘Der Reichthum des Bilderschmuckes wird noch mehr gesteigert, wenn der Fußboden des Chors - wie an hohen Festtagen gebräuchlich - mit den merkwürdigen Teppichen belegt wird.’ " (Angelica Hack M.A., Celle)

Im Sommer 1898 bekamen Ida und Carlotta Brinckmann - ihr Vater war Justus Brinckmann, der Gründer des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, - den Auftrag, eine Nachbildung des Tristanteppichs, der im Kloster Wienhausen zu bewundern war, anzufertigen. Zwar arbeiteten die Schwestern den Teppich in der Technik der Bildweberei, aber vor allem Carlotta war mit dem Klosterstich in Berührung geraten und sollte nicht mehr von ihm loskommen.

Ab 1929 arbeitete sie intensiv mit dem vielseitigen Künstler Erich Klahn (1902-1978) zusammen, und es entstand ab 1932 eine Vielzahl großartiger Bildteppiche in der Technik des Klosterstichs.

Aber Carlotta Brinckmann gab ihre Kunst auch an andere weiter: So entwickelte sich ein Kreis von Stickenden, die nach Klahnschen, aber auch nach eigenen Entwürfen arbeiteten. Zu diesem Kreis gehörte auch eine junge Frau namens Barbara Schmidt, die viel später den Künstler heiratete und noch später, dann als Frau Barbara Bosse-Klahn, Äbtissin von Kloster Mariensee wurde. Und hier schließt sich der Kreis.

Frau Bosse-Klahn war und ist unsere Lehrmeisterin. Doch zwei andere Namen sollen nicht unerwähnt bleiben: Frau Lieselotte Wedekind, Langlingen/Celle, gestorben 1981, und Frau Annegret Arbeiter, Groß Hehlen/Celle, gestorben 1988, haben uns mit ihren wundervollen Arbeiten Beispiele und Anregungen gegeben. Auf den pädagogischen Grundlagen, die diese drei Frauen legten, werden noch viele schöne Arbeiten entstehen. Wir sind ihnen dafür dankbar.

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